Alles eBook?

Freitags-Post vom 6.3.15

Die Nachrichten und Schlagzeilen der Publishing-Branche waren in den vergangenen Wochen und Monaten mehr als verwirrend: In Branchen- wie in klassischen Medien ging und geht es immer wieder um die große Frage “eBook oder gedrucktes Buch”. Einerseits ist ständig zu lesen, dass das gedruckte Buch “besser” sei, der eBook-Markt nicht so stark wachse wie erwartet (siehe auch aktuelle Studie des Börsenvereins) und dass die ansonsten ja so digital affinen Jugendlichen das gedruckte Buch seinem digitalen Pendant vorziehen.

eBooks auf dem Vormarsch

Andererseits ist das eBook allerorten: Verlage (wie Hanser mit dem eBook-Imprint Hanser Box) und Buchhandlungen rüsten digital auf, immer mehr eBook-Dienstleister und reine eBook-Verlage sprießen aus dem Boden. Mit der electric bookfair startete 2014 die erste Buchmesse nur für digitale Bücher, Webseiten und Blogs wie e-book.news, allesebook.de und lesen.net befassen sich ausschließlich mit diesem einen Thema. Und – das ist vor allem für Indie-Autoren wichtig – viele ihrer Kolleg*innen haben ihren Durchbruch allein dem eBook zu verdanken, siehe Poppy J. Anderson, Marcus Hünnebeck oder die Newcomerin Annie Stone.

Was soll man mit diesen (vermeintlich) gegensätzlichen Informationen, Fakten und Meinungen anfangen? Meine Meinung: Man sollte sie alle zur Kenntnis nehmen, aber keine als alleinige, in Stein gemeißelte Wahrheit begreifen.

Der Markt pendelt sich ein

Denn: Auch wenn eBooks nicht so stark sind wie von einigen Branchenkennern erwartet, sind sie doch ein fester Bestandteil des Marktes geworden. Und schaut man sich die Zahlen der Umfrage einmal genauer an, erkennt man auch, dass Schlagzeilen wie “Kaum noch Wachstum” irreführend sind. Zwar lag das eBook-Umsatz-Wachstum 2014 nur bei 7,6 %, während es im Jahr zuvor noch bei 61 % lag. Doch ist ein Abflachen des Wachstums nach dem raketenhaften Erfolgsjahr 2013, als eBooks auch noch recht neu für die deutschen Leser waren, nicht besonders ungewöhnlich. Und mit einem Wachstum von knapp 8 % wäre es vermessen, von Stagnation zu sprechen. Auch hat sich auf dem eReader- und Tablet-Markt in den vergangenen 12 Monaten nicht viel verändert. Möglich, dass das eBook wieder neuen Aufschwung erlebt, wenn sich bei den Lesegeräten die nächste oder übernächste Generation ankündigt, z.B. wenn das größere iPad auf den Markt kommt.

Lehrbücher lieber gedruckt

Auch die Schlagzeile über die jungen eBook-Muffel “Why digital natives prefer reading in print” ist bei genauerer Betrachtung weder alarmierend noch ganz korrekt. Denn die Umfrage, die dem Artikel in der Washington Post zugrunde liegt, wurde ausschließlich unter Studierenden durchgeführt und bezieht sich nur auf Lehrbücher: Ein Viertel der Studierenden ziehe selbst dann gedruckte Lehrbücher vor, wenn das digitale Pendant kostenlos sei. Dass man zur Vorbereitung auf eine wichtige Prüfung bereit ist, Geld zu investieren, um sich im Buch Notizen zu machen, Passagen zu unterstreichen und sich Gelesenes besser zu merken, das ist nur zu verständlich. Denn das funktioniert (derzeit) bei gedruckten Büchern einfach besser. Auch das zeigen Studien. Doch Rückschlüsse auf das private Leseverhalten lassen sich daraus nicht ziehen. Und eBooks sind nun einmal besonders bei den leichten belletristischen Genres wie Liebesroman und Krimi beliebt. Dass Jugendliche also ihre Fachliteratur nicht als eBooks lesen, bedeutet nicht das Ende der digitalen Lesekultur.

Am besten eBook und Print

Es zeigt sich, dass so manche Schlagzeile mehr heiße Luft als alles andere ist. Bis sich herausstellt, wie viel Substanz einige Thesen, Meinungen und Analysen haben, sollten Autoren, Verlage und Buchhändler einfach weiterhin das tun, womit viele bereits längst begonnen haben: sich so breit wie möglich aufstellen und sämtliche gerade auf dem Markt gängigen Varianten – momentan also eBook und Print – anbieten. Auch sollten sich Autoren überlegen, ob sie ein Hörbuch oder neben der günstigen Taschenbuch- auch eine hochwertigere Hardcover-Ausgabe, z.B. mit Zusatzmaterial wie farbigen Abbildungen, produzieren möchten.

Die nächstgrößere Veränderung wird sicherlich in der Etablierung des epub 3 bestehen, mit der interaktive eBooks in den Vordergrund rücken. Auch dieses Format sollten Autoren ihren Lesern dann anbieten. Was danach kommt? Und was sich davon durchsetzen wird? Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten. In der Zwischenzeit können wir uns aber auch mal an rosigeren Zukunftsszenarien erfreuen, wie zum Beispiel auf literaturcafe.de: Dort wird dem eBook in den nächsten fünf Jahren ein “stark wachsender Marktanteil” prognostiziert. Des Weiteren geht der Autor davon aus, dass der Marktanteil des klassischen eBooks bei 75 % liegen werde, während sich Enhanced eBooks und dessen Nachfolger sich die restlichen 25 % teilen. Den eReadern wird eine Verbesserung bei der Nutzerfreundlichkeit vorausgesagt.

Zum Schluss noch meine ganz persönliche Prognose: Egal, was kommt – ob Texte gedruckt, digital oder irgendwann mal gasförmig sind -, was zählt, sind die Inhalte!

Das Thema eBooks wird natürlich auch auf der Leipziger Buchmesse eine große Rolle spielen – genauso wie das Thema Self-Publishing! Ich freue mich schon auf viele Gespräche mit Autoren, Kollegen und allen Interessierten. Bis nächste Woche – in Halle 5, Stand B303!

Messebedingt fällt der Freitags-Post kommende Woche aus und meldet sich am 20.3. zurück.


06.03.2015 zuletzt geändert am: 27.11.2018 • Leonie Langer
Kategorien: Aktuelles, Neuigkeiten,
Tags: eBook, Freitagspost,